Kennen Sie schon unseren online Champagner-Berater? Über das Menu CHAMPAGNERBERATER können Sie Ihre besonderen Wünsche in einen prickelnden Champagner umwandeln... Versuchen Sie es doch einmal!

Filter schließen
von bis

Die Sonne steigt langsam über die Weinberge und gibt dem herbstlichen Vallée de Marne einen goldenen Schimmer, der auf einer Postkarte nicht besser hätte eingefangen werden können. Bei Dormans überqueren wir die Brücke über den Fluss Marne und haben die stetig ansteigenden Weinberge direkt vor uns. Nach wenigen Minuten stehen wir in Vincelles, einem kleinen Dorf mit rund 350 Einwohnern. Schon zu Zeiten Karl IX um 1550 und der Hugenottenkriege zwischen Katholiken und Protestanten spielte Vincelles zusammen mit Dormans eine wichtige Rolle. Der Herzog von Guise, dessen Vater von Hugenotten umgebracht wurde, erstritt in einer der beiden wichtigen Schlachten von Dormans (dem Nachbarort von Vincelles) einen wichtigen Sieg gegen den König und gründete 1576 daraufhin die französische “Heilige Liga”, welche den Einfluss der Katholiken am Königshofe wieder festigen sollte. Nach der Bartholomäusnacht (1572) und weiteren langjährigen Auseinandersetzungen wurde der Herzog 1588 hinterrücks ermordet - und die Geschichte von Vincelles und Dormans wurde vorerst wieder friedlicher...  

Im grössten Kontrast zu dieser kriegeri-schen Zeit präsentiert sich Vincelles und das ganze Tal der Marne heute. Ruhig, beschaulich, auf beiden Seiten die sanft aufsteigenden Weinberge, die insbesondere mit Pinot Meunier ausgebaut werden. Die Zeit scheint sehr langsam fortzuschreiten und durch die aufgehende Sonne wird das gesamte Tal nochmal ein Stück “tiefenentspannter”. So muss hier der Champagner schmecken! Leicht romantisch, unkompliziert, entspannend, friedvoll. Mit dieser hintergründigen Erwartung erreichen wir das Champagnerhaus H. Blin und werden vollends bestätigt.

Simon Blin, der aktuelle Geschäftsführer und Enkel des Gründers Henri Blin, empfängt uns  herzlich. Bei einem frühen Glas erklärt er uns seine Philosophie des Hauses und die unbändige Leidenschaft für die Region und den kultivierten Pinot Meunier. “Pinot Meunier ist für Vincelles das, was für Ay der Pinot Noir ist.” platziert er mit etwas Stolz. In der Tat ist Pinot Meunier in der Wahrnehmung eher der kleine Bruder vom Pinot Noir. Er ist sehr weinig, fruchtbetonter als der grosse Bruder, unkomplizierter und bodenständiger. Auch die Reifezeit ist weniger anspruchsvoll. Dafür hat er weniger Säure, die für eine lange Lagerzeit wichtig ist. Dies ist auch der massgebliche Grund, wieso einige der ganz grossen Prestige-Cuvées auf Chardonnay und Pinot Noir bauen und nur wenig Pinot Meunier einfliessen lassen. Gerade dieses ist Simon Blin ein Anliegen. Er möchte mit seinen Kollegen die unterschätzte Traube in ein strahlendes Licht rücken. Dazu stehen ihm auch rund 70% seiner 130 Hektar in der Region um Vincelles zur Verfügung, die mit Pinot Meunier angebaut sind. Die restlichen Hektar teilen sich Chardonnay und Pinot Noir.

Beim Verkosten seines Jahrgangschampagners 2006 verstehen wir, was er meint. Auch wenn es eine Cuvée je zur Hälfte aus Pinot Meunier und Chardonnay ist, sticht die schmeichelnde Stilistik heraus. Gelbe Früchte und feine Honignoten paaren sich mit der Eleganz des Chardonnays. Auf die Spitze getrieben hat Simon dies mit der Quintessence Meunier, die im wahrsten Sinne des Wortes die Zusammenfassung unseres Vormittages ist. Ein in sich ruhender Champagner, der an Intensität und Finesse seinen grossen Geschwistern in Nichts nachsteht! Simon Blin kann tatsächlich stolz sein. Stolz auf eine feine Champagnerauswahl, froh über seine Weinberge an der Marne, welche die ersten Sonnenstrahlen des Jahres ebenso einsaugen wie die späte Wärme vor der Ernte. Kein Gedanke entschwindet an die kriegerische Vergangenheit dieser Region. Der beste Garant für Frieden und Harmonie wird also durch Champagner besiegelt.

 

Hersteller / Veranwortlicher Lebensmittelunternehmer: Champagne H. Blin, 5 Rue de Verdun, 51700 Vincelles, Frankreich

Zuletzt angesehen
NACH OBEN